Kant Brevier
Aufklärung ist der Ausgang des
Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist
das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht
am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt,
sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut,
dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der
Aufklärung.
Faulheit und Feigheit sind die
Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur
längst von fremder Leitung frei gesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig
bleiben und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern
aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. […] Es ist niemand, selbst
der ärgste Bösewicht, wenn er nur sonst Vernunft zu brauchen gewohnt ist,
der nicht, wenn man ihm Beispiele der Redlichkeit in Absichten, der Standhaftigkeit
in Befolgung guter Maximen, der Teil¬nehmung und des allgemeinen Wohlwollens
(und noch dazu mit großen Aufopferungen von Vorteilen und Ge¬mächlichkeit
verbunden) vorlegt, nicht wünsche, daß er auch so gesinnt sein möchte.
Er kann es aber nur wegen seiner Neigungen und Antriebe nicht wohl in
sich zu Stande bringen; wobei er dennoch zugleich wünscht, von solchen
ihm selbst lästigen Neigungen frei zu sein.
Was die Pflicht des Menschen gegen
sich selbst bloß als moralisches Wesen (ohne aufseine
Tierheit zu sehen) be¬trifft, so besteht sie im Formalen der Übereinstimmung
der Maximen seines Willens mit der Würde der Mensch¬heit in seiner Person;
also im Verbot, daß er sich selbst des Vorzugs eines moralischen 'Wesens,
nämlich nach Prinzipien zu handeln, d.i. der inneren Freiheit nicht be¬raube
und dadurch zum Spiel bloßer Neigungen, also zur Sache, mache. – Die Laster,
welche dieser Pflicht entgegenstehen, sind: die Lüge, der Geiz und falsche
Demut (Kriecherei). Diese nehmen sich Grundsätze, welche ihrem Charakter,
als moralischer Wesen, d.i. der inneren Freiheit, der angebornen Würde
des menschen geradezu (schon der Form nach widersprechen, welches so viel
sagt: sie machen sich es zum Grundsatz, keinen Grundsatz, und so auch
keinen Charakter zu haben, d.i. sich wegzuwerfen und sich zum Gegenstande
der Verachtung zu machen.
Kategorischer Imperativ
Handle so, daß die Maxime Deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeienen Gesetzgebung gelten könnte.
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